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Drittes Rätsel

Zunächst die Lösung des zweiten Rätsels:

Es ist, was es ist

Geneigte Leserin, geneigter Leser, die Kurverwaltung Travemünde gab sich allerredlichst Mühe, das Werk des Künstlers zu beschreiben. Es ist nicht so schlecht, wie die Beschreibung fürchten lässt. Aber es geht wohl schnell kaputt. „Kein Spielgerät“ bedeutet also so viel wie „So kalt ist das Meer heute“.

Wenn Städte, Länder, Staaten oder ihre Unionen zeigen, was sie leisten, gibt es viele schöne Verkündungen. Bewundere hier die Marktstadt im Nordseewind:

Und das ist die geniale Botschaft: Der Wind bläst von unten und stemmt alles aufwärts. Wenn das keine ‚i‘ ist, dann wissen wir auch nicht. Diese Botschaft barg eine hellseherische Weisheit. Heide bekommt eine Giga-Factory für Batterien. Wegen des Windes, also wegen der Energie, die wir aus Wind gewinnen. Dieses Bild kündet also mehr als tausend neue Jobs.

Viel Wind macht auch das Bundesland, das sich der echte Norden nennt. Es liegt südlich von Dänemark. Allen seinen Studis verspricht es Rückenwind für alle Papierflieger, die weiter nach Nordosten fliegen. Vermutlich wird die Evolution bald Batterien aus Papier hervorbringen.

Verkündung in schnörkeliger Würstchenschrift. Bitte mit Senf statt Kätschupp.

Wer ernsthaft über die Lehre des Verkündens nachdenkt, muss unweigerlich mit bedenken, in welchen Zeiten wir leben. Daher können wir nun eines mit Gewissheit sagen, die Bahn wird keine Dampfloks mehr kaufen:

Das Ende der Dampflok

Wir sehen also, wie komplex ein simples Schild sein kann. Wir müssen über das Schild nachdenken, sonst wird es Teil einer Flut von Botschaften, die uns überfordert. Der Autor selbst ist überfordert mit der Interpretation der folgenden Botschaft:

Wir werden sehen, dass uns auch der Text nicht weiterhelfen wird.

Das zweite Rätsel

Bevor wir zum zweiten Rätsel kommen, die Auflösung vom letzten Mal:

Es gibt Tickets beim Fahrpersonal. Das Grafikpersonal dieses Verkehrsbetriebs ist sehr kreativ, es wird uns noch weitere Rätsel aufgeben. Danke! Danke! Danke!

Das Piktogramm ist eine wesentliche Teildisziplin der Promulgatorik, also der Lehre vom Verkünden. Es will mit wenigen und einfachen Formen in verschiedenen Farben vollständige Sätze verkünden. Wenn die Sprache der Symbole nicht ausreicht, wird ein verstümmelter Satz hinzugefügt.

Das erste Bild ist episch. Der Fahrer ist müde zurückgelehnt (22 – 4 Uhr) und ruft ein Taxi (ausgestreckter Arm). Signalfarbe für ‚Service‘ ist hier vemutlich orange.
Das zweite Bild dankt für die Bekleidung des Hundes, das dritte für die Verwandlung des Menschen in einen Koffer. Das vierte Bild darf die geneigte Leserin am Ende des gesamten Kurses selbst einer Kritik unterziehen. Die Herren fühlen sich bitte mitgemeint.

Vom Verkehrszeichen zum Piktogramm

Ihren Ursprung hat die Teildisziplin Piktrogramm durch den Straßenverkehr. Hier heißen die Bilder Verkehrszeichen. Sie sind meistens abstrakt, viel wird mit Farben verkündet. Rot ist Verbot. Blau ist Angebot oder Gebot. Grün heißt Erlaubnis, Gelb heißt Achtung. Meistens sind die Sätze mit dem Befehlszeichen zu lesen. Zum Beispiel: „Nein, hier nicht rein!“ oder „Hier parken!“ Manchmal beschränken sich Zeichen auf geometrische Formen. Ein roter Kreis mit weißer Füllung, der Blick durch eine rote Röhre, ist das Verbot der Durchfahrt: Du kannst rein, aber du darfst nicht durch. Eine weiße Wagerechte ist eine Barrikade, du darfst nicht rein, komme gefälligst von hinten. Auf diese Zeichen werden Menschen im Zeitalter der Massenverkehrsmittel trainiert, sie enthalten keine Botschaft, die Menschen von selbst erkennen können. Es sind Befehle. Daran lehnt sich das Piktogramm an.

Das Zeichen befiehlt

An der Piktogrammleiste sehen wir das Wort ‚danke‘ ebenfalls mit dem Befehlszeichen. Wir dürfen es als eine Grafik lesen, dann bedeutet es: „Füße runter! Gefälligst mal zack zack!“ Es mag widersinnig klingen, aber das erinnert mich an Opa. Der sagte immer: „Jetzt zeige ich Euch mal, wie man es nicht macht:“ (Ja, er sagte einen Satz mit Doppelpunkt am Ende.) Dann hob er die Salatschale zum Mund und trank die Salatsoße aus. Seine Lehre war die Tat. Opa kündigte die rote Farbe im Piktogramm also mit Worten an, weil er kein Piktogramm war, sondern Opa. Oma tadelte die rote Farbe hinzu.

Es sei jetzt noch ein Aspekt erwähnt, dieser Text hat weniger als tausend Wörter. Die sechs Bilder zu diesem Text besagen also jeweils weniger als tausend Worte. Es sei denn, das Wort ‚tausend‘ ist ein Piktogramm. Es müsste also heißen, ein Bild lüge mehr als tausend Wörter.

Da wir jetzt wissen, dass die rote Farbe Verbote ausdrückt, sei das nächste Rätsel angefügt:

Lösungsvorschläge bitte in die Kommentare.

Promulgatorik und Promulgatorologie

Die Promulgatorik befasst sich mit der Frage: Wie verkünde ich meine Botschaft? Das soll möglichst einfach und dumm geschehen. Nur so kann eine Botschaft ohne Umwege ins Gehirn flutschen und sich dort möglichst schnell und dauerhaft festsetzen. Dabei gilt das alte Vorurteil, ein Bild sage mehr als tausend Worte. Bilder sind Zeichensprache. Aber verstehen wir die Zeichen so, wie die Person es wollte, die ein Zeichen mit dem Bild setzen wollte?

Klare Botschaft?

Das Beispiel zeigt etwas, das wir alle kennen. Wir schauen auf die Botschaft und sind ratlos. So eindeutig die Botschaft des Bildes auch sein mag. Im Kontext ist sie völlig absurd. Jede Promulgatorik, also das Wie des Verkündens braucht die wissenschatfliche Anaylse des Kündens und des Verstanden-Werdens. Das nennen wir die Promulgatorologie. Sie ist die Wissenschaft, die die Frage klärt: Können die Kündenden Klarheit schaffen? Oder benötigen sie den Umweg der Kommunikation oder sogar die Todesstrafe?

Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass eine Bild-Botschaft nicht ankommt. Dann greifen die Kündenden zu dem Mittel des Wortes. Wie können Hunde andere Schafe glücklich machen?

Auch das Zeichen für den Bitte-Befehl steht an der falschen Stelle.

Ohne den Text lautete die Bild-Botschaft: „Herrchen und Hund lieben Euch Schafe und möchten gerne mit Euch jagen und schlagen spielen. Die Grünen freut das, die Roten finden das mal wieder doof.“ Das Schild diskriminiert also alle Menschen, die Deutsches nicht lesen können.

Von dieser Sorte haben wir sehr viele Beispiele in unsrem Alltag. Manchmal spielen diejenigen mit, die Schilder aufstellen. Sie verleihen den einzelnen Schildern erst ihren wahren Kern, indem sie Schilder geschickt kombinieren:

Was nicht nur in Freital/Sachsen gilt …

Oder war’s der Geiz, der dem Jobcenter hier so übel mitspielte? Das Geld für einen eigenen Pfahl war nicht da und schwups vehalf das Wort dem Zeichen die Wahrheit. Das sind die promulgatorologischen Perlen vor den Säuen des Missverstehens.

Diesem Thema wollen wir uns in lockerer Foige widmen. Wir wollen nach und nach alle promulgatorischen Grundfragen lösen. Zum Abschluss ein Rätsel, das Ihr in euren Kommentaren gerne lösen dürft. Welche Botschaft lest Ihr daraus?